Texter: Stundensatz versus Wortpreis

Entspannung gleich gute Texte

Texter: Stundensatz versus Wortpreis

Warum ich meine Texte nicht zum Wortpreis anbiete,  und warum es sich lohnt, einen Texter fair zu bezahlen.

Nebenjobs hat es immer schon gegeben – sei es der rüstige Rentner, der für kleines Geld im Garten hilft, oder die Studentin, die sich mit Putzen etwas dazuverdient. Vor ein paar Jahren kam noch ein weiterer Aushilfsjob dazu: das Schreiben. Warum auch nicht? Das gesprochene Wort in Zeichen umzusetzen, kurz „schreiben“ genannt, haben wir schließlich alle mal in der Schule gelernt. Und so fuhren landauf, landab nicht ausgelastete Hausfrauen ihre Computer hoch und boten ihre Schreibkünste im Internet an. Die Konkurrenz war riesig und es kam zu einem erbitterten Preiskampf. Mittlerweile staffeln sich die Preise in der Textjobbörse von 0,8 Cent pro Wort für „Anfänger“ bis 5,0 Cent pro Wort für „Premium“. Und für so einen Job muss man sich auch noch bewerben, hocharbeiten und gegen die Konkurrenz „pitchen“.

Das heißt, bis zu diesem Absatz hätte ich bisher zwischen 1,11 Euro und 6,95 in zehn Minuten verdient. Klingt erst mal nicht schlecht – zumindest der Premiumteil. Allerdings habe ich den Text auch einfach so runtergeschrieben, weil ich den Artikel schon längst im Kopf habe. Die Vorarbeit hatte ich im Vorfeld geleistet.


Briefing, Keyword-Analyse, Recherche – viel Vorarbeit für professionelle Texte

Wenn ich aber eine Auftragsarbeit habe, also die Gedanken eines anderen aufschreiben soll, muss ich zuerst einmal verstehen, was der Kunde von mir will. Ich brauche also ein Briefing. Danach gibt es ein Re-Briefing, in dem ich in eigenen Worten den Auftrag formuliere und mir vom Kunden bestätigen lasse, dass ich alles richtig verstanden habe. Ich erkundige mich nach der Zielgruppe und wie diese angesprochen werden soll (Wording). So ein Re-Briefing kann man, wenn man sich schon länger kennt, durchaus mündlich machen, aber es kostet Zeit.

Jetzt kommt die Recherche! Bei allen Themen, auch wenn ich mich schon sehr gut darin auskenne, muss ich Tante Google befragen. Oft gibt mir der Kunde auch eigenes Material in Form von Broschüren, losen Zetteln oder Fachbüchern mit. Ich muss mich einlesen. Anschließend entwickle ich ein Konzept und strukturiere das Thema. Ach so, der Artikel soll auch noch suchmaschinenoptimiert sein? Dann wird es höchste Zeit für eine Keywort- und Suchanfragen-Analyse.


Alte Schreibmaschinentastatur

Schreiben wie früher

Vom Rohtext zum Feinschliff

Irgendwann habe ich dann ein Gerüst aus Zwischenüberschriften und kann mit dem eigentlichen Texten beginnen. Zuerst schreibe ich einfach mal so, wie es mir gerade in den Kopf kommt. Wenn der Rohtext dann endlich fertig ist, lasse ich ihn gerne einen Tag lang ruhen und mache mich dann an den Feinschliff. Wenn ich zufrieden mit meiner Arbeit bin, schicke ich den Text an den Kunden zur Korrekturschleife. Oft muss ich anschließend noch Änderungen übernehmen. Wenn der Kunde den Text abgesegnet hat, ist er fertig. Anschließend schreibe ich eine Rechnung.


Der Slogan: die Königsklasse

So ist das Prozedere eines professionellen Texters. Wie Sie sehen, steckt viel mehr Arbeit in einem Schreibstück, als man auf den ersten Blick vermutet. Nicht unbedingt die Länge eines Textes ist ausschlaggebend für seine Wertigkeit, sondern der Aufwand und „Gehirnschmalz“, den man hat einfließen lassen. Ein Extrembeispiel ist der Slogan: er besteht nur aus einer Handvoll Wörter, ist aber der aufwändigste Text überhaupt. Da können drei bis fünf Wörter schon mal ein bis drei Tagessätze kosten. Darum ist es einfach unfair, den Preis an der Textlänge festzumachen – mal für den Kunden und mal für mich.


Professionelle Texter sind Unternehmer

Vielleicht könnte ich sogar mit einer Wortpreisbindung leben – wenn sie nicht so unterirdisch niedrig angesetzt wäre! Ich weiß nicht, was das für Menschen sind, die für so wenig Geld arbeiten können. Tatsache ist, dass sie nicht davon leben. Sie machen das nebenher. Ein Textprofi, der sein Handwerk durch Studium und viel Erfahrung gelernt hat, will davon seinen Lebensunterhalt bestreiten. Den Stundensatz bezahlt der Kunde nicht nur für den nackten Text, den er am Ende erhält, sondern auch für den Service, dass diese qualitätsvolle Dienstleistung überhaupt angeboten wird. Ein freiberuflicher Texter, Journalist, Online-Redakteur und wie sie alle heißen, ist ein Unternehmer. Und so, wie sich bei einem Handwerker im Stundensatz neben der handwerklichen Dienstleistung auch die Abschreibungen für Maschinen und Fahrzeuge, Buchhaltung, Büromiete und Lohnnebenkosten niederschlagen, sind auch diese Kosten im Stundensatz eines Texters enthalten.


Freiberufler reduzieren das unternehmerische Risiko

Hinzu kommt, dass ein Texter weder Urlaubsgeld erhält, noch Krankentagegeld. Wenn Sie einen Texter, Content-Manager oder Online-Redakteur einstellen, werden Sie den kaum unter 3.000 Euro brutto im Monat bekommen. Das macht inklusive der Personalnebenkosten für Sie als Arbeitgeber etwa 4.500 Euro pro Monat. Wenn Sie ein fairer Arbeitgeber sind, muss Ihr Angestellter dafür 160 Stunden im Monat arbeiten, es sei denn, er ist krank und hat ein ärztliches Attest. Oder wird schwanger und geht in die Babypause. Auch für den Fall, dass Sie mal nicht so viel zu tun haben, müssen Sie den Angestellten bezahlen.

Wenn Sie das alles bedenken, dann sollten mindestens 40 Euro Stundensatz für einen Freiberufler drin sein. Meine Preise finden Sie unter meinem Leistungsangebot.

 

Cristine Keidel

Webdesignerin, Texterin und Orchideenfreundin. Mutter von zwei Kindern. Außerdem mag ich Tiere, Natur und Sport.

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