Roman von Cristine Keidel: Frederike spinnt

Frederike spinnt – eine Kaninchengeschichte XL

Von Cristine Keidel

Als Frederike Bergmann vor der Wahl stand, welches Haustier für ihre Kinder wohl am geeignetsten sein könnte, entschied sie sich für Kaninchen – man muss nicht bei Wind und Wetter raus, sie machen die Wohnung nicht dreckig und knuddelig sind sie auch noch. Also schnell ein paar ausrangierte Kleinställe von den Nachbarn besorgt und drei niedliche kleine Fellknäuel von der Züchterin geholt. Tatsächlich musste sie schnell feststellen, dass Kaninchen für Kinder eher ungeeignet sind, die Ställe zu klein waren und überhaupt … Erst errichtete die Familie ein größeres Gehege, dann ein richtig großes und schließlich stellte sich heraus, dass die Männchen nach der Geschlechtsreife recht ruppig um das Weibchen stritten, also mussten verschiedene Gehege her und der Garten wurde mehr oder weniger überdacht. Dann gab es plötzlich unerwarteten Nachwuchs, es entstand mithilfe von Fachliteratur eine kleine Zucht, es fiel Wolle an, die verwertet werden musste, es gab räuberische Marder, Raubvögel … »Hätte ich doch bloß den Hund genommen!«, lautet das Resümee. Aber bis dahin kam erstmal eine amüsante und lehrreiche Odyssee durch das Leben als ambitionierte Nachwuchskaninchenzüchterin in Voll-Teilzeit.

 

Das beste Buch für alle, die Kaninchen lieben ♥

Hardcover, 19,99 € inkl. MwSt
ISBN 978-3-7345-2624-4

Paperback, 11,99 € inkl. MwSt.
ISBN 978-3-7345-2623-7

e-book, 4,99 €
ISBN 978-3-7345-2679-4

Seitenzahl: 80

Größe: 14,8 cm x 21,0 cm

Erschienen: 2016 im Tredition Verlag

Leseprobe

KAPITEL 1

Wuuutsch-krrr macht der Scheibenwischer und holt Frederike wieder in die Gegenwart zurück. Der Regen hat aufgehört, die Wolken sind aufgerissen und nun wagt sich der erste Sonnenstrahl hindurch. Die Scheibenwischer kann Frederike jetzt abschalten.

Sie befindet sich gerade auf der Autobahn A3 im Nirgendwo zwischen Münster und Hamburg. Frederike lächelt. Sie freut sich über ihre Mission. Es war nicht leicht, diesen Tag zu organisieren: Anna, ihre zehnjährige Tochter, ist gerade in der Schule und fährt anschließend mit dem Bus zu ihrer Freundin Annika. Dort kann sie den ganzen Nachmittag verbringen, bis Frederike sie abholt.

Bei Lukas war es einfacher, ihn hat sie heute schon um 8.00 Uhr im Kindergarten abgegeben. Dort ist er sicher aufgehoben, muss aber bis spätestens 17.00 Uhr abgeholt werden. Anschließend fuhr Frederike nach Hause, hat geduscht und sich angezogen, ihre Tasche und den Transportkorb geschnappt und ist losgefahren.

Laut Navi sind es ziemlich genau 300 Kilometer bis Delmenhorst. Das müsste zu schaffen sein: 300 Kilometer hinfahren, die Züchterin treffen, zwei Tiere aussuchen und wieder 300 Kilometer zurückfahren, direkt zum Kindergarten – Lukas abholen und dann Anna. Mal ein etwas anderer Tag als sonst, denkt Frederike und grinst in sich hinein.

5

Es war ein langer Tag gewesen, Tobias kam erst spät von der Arbeit nach Hause. Er fand seine Kinder bereits im Schlafanzug vor – sie hatten extra mit dem Abendessen auf ihn gewartet. Es gab frischen Salat, aufgebackene Brötchen und verschiedene Aufstriche, dazu Tee.

»Papa, weißt du was?« Der typische Gesprächsanfang von Lukas. »Wasser ist nass«, antwortet Tobias prompt. »Nein, Papa«, meinte Lukas genervt, »Annika bekommt einen Hund!«
»Wer ist Annika?«
»Meine Freundin«, schaltete sich Anna in das Gespräch ein, »bei der ich heute war. Sie hat mir erzählt, dass sie einen Hund bekommt. Ich will auch einen!«
»Ich auch, ich auch!« Lukas hielt es nicht mehr auf dem Stuhl aus, sondern tanzte durch die Küche. »Einen Hund, einen Hund!«

Frederike und Tobias hatten ihre liebe Not, ihre Kinder wieder zu beruhigen. Erst nach einer Stunde lagen sie schlafend in ihren Betten. Die erschöpften Eltern gingen ins Wohnzimmer, um sich etwas auf der Couch zu erholen.

»Oje, irgendwann musste das ja kommen«, sagte Tobias. »Jetzt ist es so weit, unsere Kinder wollen einen Hund.«
»Alle Kinder wollen irgendwann ein Haustier. Eigentlich finde ich die Idee auch gut. Da haben sie etwas Gemeinsames und lernen Verantwortung zu übernehmen.«

6

»Stimmt, das klingt in der Theorie wirklich gut, aber bedenke, dass in der Praxis die meiste Arbeit doch an dir hängen bleiben wird.«
»Hm, da kommt ein Hund wirklich nicht infrage. Ich habe mit den Kindern, dem Haus und dem Garten wirklich schon genug zu tun. Da kann ich nicht noch dreimal täglich Gassi gehen und einen Hund erziehen. Das dauert, bis der stubenrein ist. Und der ganze Dreck im Haus – Hunde bringen viel Dreck mit rein
und haaren kräftig.«
»Ja, und die ganzen Kosten: Anschaffung, Ausstattung, Hundeschule und Hundesteuer! Und was ist, wenn wir in den Urlaub
fahren wollen? Wo soll der Hund dann hin? Der kann ja
schließlich nicht immer mit! Da wäre eine Katze viel unproblematischer.«
»Ja, aber meine Katzenhaarallergie …« Allein bei dem Gedanken an Katzen begann Frederikes Nase zu jucken. »Wie wäre es denn mit Kaninchen?«
»Kaninchen?«
»Ja, Kaninchen. Als ich ein Kind war, hatten unsere Nachbarn welche. Die waren draußen im Stall, da blieb das Haus sauber. Die wurden zweimal täglich gefüttert und einmal pro Woche wurde der Stall ausgemistet. Das sollte ich mithilfe der Kinder schaffen.«
»Klingt nach einer  vernünftigen Lösung. Aber wie willst du die beiden überzeugen? Die scheinen sich sehr auf einen Hund versteift zu haben.«
»Ach«, lachte Frederike, »lass mich nur machen …«

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Die Autorin

Frederike spinnt
Frederike spinnt

Cristine Keidel

hat Kommunikationswissenschaften studiert und arbeitet als freie Texterin, Online-Redakteurin und Autorin. Ihr erster Roman „Frederike spinnt – eine Kaninchengeschichte XXL“ erschien 2016 im Tredition Verlag. In diesem biographischen Roman erzählt die Autorin, wie sie Kinder, Kaninchen und ihre eigene Persönlichkeitsentfaltung unter einen Hut bekommt.

2021 erschien ihr zweites Buch „Für Zylinderzicken und Viereckakrobaten“. Diesmal handelt es sich um lustig-ironische Kurzgeschichten, die alltägliche Themen aus dem Stall- und Reiterleben aufs Korn nehmen.

Siehe auch: …denn morgen war auch noch ein Tag“ von Uwe Gronau, biographischer Roman des international erfolgreichen Musikers und Komponisten.